Colitis ulcerosaColitis ulcerosa II – mit Mut geht vieles...

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sind die Medikamente gut eingestellt, doch die Colitis ulcerosa fordert ihren Tribut. Matthias hat nicht erheblich an Gewicht verloren und zudem die Lust am Essen:

Essen ist kein Genuss mehr, auf den man sich wirklich freuen kann, wenn darauf starke Schmerzen folgen."

Matthias zieht sich zunehmend zurück. Er lebt wie ein Eremit, schon weil er sich nicht mehr traut, sicheres Terrain zu verlassen. Das ist in seinem Fall konkret der Radius zur Toilette. Eine Infektion könnte seinen Zustand verschlechtern, also meidet er auch den Kontakt mit Krankheitserregern – konkret: sämtliche Orte, an denen viele Menschen zusammen kommen wie öffentliche Verkehrsmittel, Schwimmbäder und Kinos. Die Umstände zwingen ihn dazu. Außerdem wurden die Ängste aufgrund unangenehmer Erfahrungen über die Jahre hinweg immer größer. Die Durchfall-Attacken bei Colitis ulcerosa sind nicht nur schmerzhaft, sondern auch unberechenbar. Manchmal ging es so schnell, dass Matthias es nicht mehr bis zur nächsten Toilette schaffte.

Man müsste sich nur viel mehr trauen!

Matthias ist seit seinem Aufenthalt im Krankenhaus in psychotherapeutischer Behandlung. Er hatte große Vorbehalte, kann aber mit der Zeit ein intensives Vertrauensverhältnis zu seinem Therapeuten aufbauen. Er empfindet die Behandlung als äußerst hilfreich. Matthias lernt, eine konstruktive Einstellung zu seiner Erkrankung zu entwickeln und mit schwierigen Situationen besser umzugehen. Auch von seinem Internisten fühlt er sich gut betreut. Nach und nach soll das verabreichte Cortisol allmählich reduziert und abgesetzt werden. Damit ist zunächst eine neuerliche Verschlechterungen der Colitis ulcerosa verbunden. Etwa eineinhalb Jahre später sind die Entzündungsherde in den Blutwerten praktisch nicht mehr nachweisbar. Matthias fühlt sich auf einem guten Weg. Sein Beruf bereitet ihm mitunter immer noch Magengrimmen, doch er arbeitet aktiv am Stressabbau und treibt zum Beispiel sehr viel Sport.

Es geht vieles", sagt er rückblickend. "Man müsste sich nur viel mehr trauen!" Er habe den Fehler gemacht, sich allzu sehr zurück zu ziehen. Menschen, die wie er an Colitis ulcerosa leiden, rät er, soziale Kontakte unbedingt auch weiterhin zu pflegen. Sie sollten alle Möglichkeiten ausschöpfen – auch die Psychotherapie. Matthias hat inzwischen die Erfahrung gemacht, dass ihn auch ein Rückschlag nicht mehr so einfach aus der Bahn wirft: „Es geht einem eben manchmal nicht so gut – mit oder ohne Colitis ulcerosa."